Konzert in Basel am 9. Mai 2009;
Arthur Honegger "König David"
Ankündigung in der Baslerzeitung vom 7. Mai 2009:
Rückkehr von «Roi David»
Das grosse Oratorium von Arthur Honegger in Basel
GEISTLICH
& WELTLICH. Der «Roi David» von Arthur Honegger gehört zu den
interessantesten neoklassischen Werken im Grenzbereich zwischen
geistlicher und weltlicher Musik. Der Komponist schrieb es 1921 für
eine Aufführung im Théatre du Jorat in Mézières; Paul Sacher hat es
öfter in Basel dirigiert. Jetzt kehrt das in den letzten Jahren
seltener zu hörende Werk mit dem Cantus-Chor nach Basel zurück. In
einer einmaligen Aufführung singen die Sopranistin Maya Boog, die
Altistin Liliane Zürcher, der Tenor Walter Siegel — und natürlich der
Cantus-Chor mit dem Instrumentalensemble Consortium Classicum. Die
Leitung hat Walter Riethmann. bli
> Martinskirche, Basel. Sa, 9. Mai, 20 Uhr. Vorverkauf Musik Wyler.
Basellandschaftliche Zeitung vom 11. Mai 2009
Magische Momente gabs
Der Chor Cantus Basel sang in der Martinskirche «Roi David» von Arthur Honegger.
FABIAN KRISTMANN
Nur
selten einmal findet Arthur Honeggers «Le Roi David» seinen Weg in den
Konzertsaal. Geleitet von Walter Riethmann hat sich der Chor Cantus
Basel nun an diesen «symphonischen Psalm» nach einem Drama von Rene
Morax herangewagt und damit in der Basler Martinskirche die Gelegenheit
geboten, diese faszinierende Komposition wieder einmal zu erleben.
Begleitet wurde das Laien-Ensemble vom Berufsorchester Consortium
Musicum, das von Riethmann 1999 gegründet wurde.
Das dicht
gearbeitete Werk des Schweizers Honegger entstand 1921 und erzählt auf
der Basis des Alten Testaments das Leben des jüdischen Königs David.
Chorsätze und Arien wechseln oratorienartig mit gesprochenen Passagen
ab: Der Sprecher schildet die eigentlichen Geschehnisse. Die
unmittelbar anschauliche Tonsprache lässt jede romantische
Emotionalität hinter sich, ist sachlich und direkt, die illustrativen
Stimmungsmomente haben stellenweise einen leicht archaisierenden
Einschlag; anstelle eines Sinfonieorchesters genügt dem Komponisten ein
15-köpfiges, bläserdominiertes Instrumentalensemble.
WAlTER
RIETHMANN setzte in den Tempi selten auf gerundete Flexibilität und
erzielte eine eher blockhafte Dynamik; die wenigen Pianissimo-Stellen
gerieten dafür umso beeindruckender. Insgesamt konnte er auf eine
bemerkenswerte Aufinerksamkeit bei den Chormitgliedern sowie auf
glasklare Präzision bei den Instrumentalisten zählen. So entstand eine
zwar etwas unterkühlte, aber doch dem Charakter der Komposition bestens
angepasste Interpretation mit manchen bezwingenden, geradezu magischen
Momenten, die ihre Wirkung oft gerade dem Verzicht auf (rhythmische)
Elastizität verdankten.
Dieselbe Tendenz zum klaren Konturieren
fand sich bei den drei Gesangssolisten und -solistinnen wieder: sicher
und gut artikulierend, wenn auch in der Höhe mit Tendenz zur
klanglichen Verflachung der Tenor Walter Siegel, unangestrengt und doch
präsent die Altistin Liliane Zürcher. Zur Enttäuschung mancher
Anwesender fiel die beim Basler Publikum ebenso bekannte wie beliebte
Sopranistin Maya Boog krankheitshalber aus. An ihrer Stelle sang
Corinne Angela Sutter, deren fast schon klirrend helle Färbung sicn
bestens in die Klanglichkeit des Konzerts einfügte und ein
unverkrampftes grosses Volumen dennoch nicht ausschloss.
OHNE
SICH AUFZUDRÄNGEN oder sich übertrieben theatralisch zu gebärden,
rezitierte der Schauspieler David Bröckelmann die erzählenden
Textpassagen und trug damit wesentlich zu einer in sich geschlossenen,
durchgehend hochklassigen Aufführung dieses nicht allzu bekannten
Meisterwerks bei.